Aiguille du Tour, eine Hochtour im Mont Blanc Massiv
Die Aiguille du Tour ist ein 3.540m hoher Gipfel im Mont Blanc Massiv und befindet sich zwischen den Gletschern von Tour (französische Seite) und Trient (Schweizer Seite). Aus dem diesjährigen Sommercamp in Chamonix wagen Tina, Andreas, Helmut und ich diese Hochtour von der französischen Seite über die Albert 1er-Hütte.
Bei regnerischem Wetter, aber ausgestattet mit reichlich Enthusiasmus, starten wir den Aufstieg zur Hütte von der Seilbahnstation Col de Balme aus. Dort startet der Weg zunächst gemütlich bis man die Seitenmoräne des Gletschers Tour erreicht. Der Weg wird nun beschwerlicher, insbesondere bei anhaltendem Regen, Graupelschauer und kaltem Wind. Trittsicherheit und eine gute Grundkondition sind nun erforderlich. Immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen den Gletscher in seiner vollen Schönheit. Man erkennt genau die Gleichgewichtslinie des Gletschers, unterhalb derer der Gletscher an Masse verliert. Am sogenannten Gletschertor in der Gletscherzunge tritt das Schmelzwasser in Form zahlreicher tosender Wasserfälle aus. Das Geräusch des Wasers und die felsigen, steinernen Strukturen lassen uns ein wenig demütig werden. Der letzte Anstieg bis zur Hütte erfordert vollen Körpereinsatz und Kletterei im 2. bis 3. Grad.

An der Hütte angekommen, sind wir durchnässt und müde. Nun gilt es ein Plätzchen zum Trocknen der Sachen zu finden, was im allgemeinen Gewusel nicht so einfach ist. Die Hütte liegt auf einer Höhe von 2.706m und wurde nach dem belgischen König Albert I. benannt. Sie liegt auf der Route der Haute Route Chamonix-Zermatt und auf der Route der 3 Cols. 2014 wurde sie erweitert und saniert. Im Obergeschoss gibt es moderne Schlafsäle mit guten Betten. Im Zentrum des Speiseraums befindet sich ein Holzofen (der leider ausblieb), ein großer Teppich und ein altes Ledersofa. Auf dem Teppich werden diverse Dehn- und Yogaeinheiten demonstriert und wir sind uns schnell einig, dass wir uns keine Blöße geben wollen. Wir wärmen uns nach dem ausgezeichneten Abendessen mit einem Gläschen Rotwein auf und begeben uns dann ins Nachtlager.

Am nächsten Morgen, geplagt durch ein Schnarch- und Plastiktütenrascheltrauma unserer 4 Zimmergenossen, starten wir etwas übermüdet bei schönstem Sonnenschein unsere Hochtour. Der Blick von der Hütte auf die umliegenden 4.000er ist atemberaubend. Zunächst gilt es, den Weg von der Hütte bis zum Gletscher zu finden. Uns erwarten kleinere Klettereien durch griffige Granitfelsen. Von weitem kann man bei klarer Sicht den „Tisch“ erkennen, ein großer auf einem kleinen Turm liegenden Felsblock.

Der Panoramablick von hier oben ist einfach zu schön. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Obwohl bei grandiosem Wetter natürlich viele Gruppen unterwegs sind, ist es doch einsam. Man hört außer Windgeräuschen und dem Knirschen der Steigeisen nichts. Herrlich, immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen oder einfach nur um zu schauen. Die Weite der Landschaft versprüht einen Hauch von Freiheit und ich frage mich wie viele Menschen hier oben schon gewesen sind.
Der Weg ist das Ziel. Schnell haben wir die letzte Nacht vergessen, ich bin glücklich hier oben mit angenehmen Menschen sein zu dürfen. Unsere Stimmung ist fantastisch, in der Seilschaft stimmt alles.
Danke Tina für den Beistand bezüglich meines schnarchenden Bettnachbarn!
Danke Andreas für das Tragen des Seils!
Danke Helmut für die guten Tipps zur Handhabung des Eispickels!
12 Tage am Fuße des Mont Blanc: 18 Bergbegeisterte erlebten beim Sommercamp der DAV Sektion Aachen in Chamonix Mitte Juli die ganze Vielfalt der Alpen: Mountainbiken, Wandern, Klettern am Fels und sogar Hochtouren in Eis und Schnee. Das Besondere: Alle Touren wurden von den Teilnehmenden eigenständig geplant. Es gab gemütliche Wanderungen im Tal bis zu alpinen Klassikern. So entstand ein echtes Gemeinschaftserlebnis, geprägt von Teamgeist, Natur- und Abenteuerlust. Chamonix, das Mekka des Alpinismus, hat mal wieder alle mit seiner atemberaubenden Kulisse begeistert. Danke an alle, die dabei waren und danke an Andreas für die tolle Organisation!



