kalkstein an der donau mit dem „bio bike“

Kalkstein an der Donau mit dem „Bio-Bike“

Ich reise gern. Und ich fahre gern Fahrrad. Und zwar ganz „oldschool“ mit dem Bio-Bike. Ich bin kein Rennradfahrer oder „Kilometer-Sammler“, vielmehr genieße ich es, draußen unterwegs zu sein, Neues zu entdecken, fotografisch festzuhalten, was ich sehe und abends lecker zu essen. Es lag für mich immer schon auf der Hand, dies alles miteinander zu verbinden.

Streckenplanung und Ruhetage:

Von der Quelle in Donaueschingen bis nach Regensburg / 14.06.-26.06.25, 9 Radtage, 2 Ruhetage, knapp 400 km

komoot karte

 

Auszug aus meinem Reisetagebuch:

Samstag, 14.06.2025, Aachen => Donaueschingen: viel Bahn, etwas radeln und ein Sterne-Restaurant

Endlich geht es los! Sonne satt am ersten Tag und an fast allen darauffolgenden (mal abgesehen von einzelnen Starkregengüssen und ein paar Gewittern, aber dazu später mehr).  Könnte schon über den ersten Tag einen Roman schreiben … so viele Eindrücke! Unterwegs. Anstrengend. Und es tut einfach gut. …

Die RE in Aachen ist pünktlich und da die Bahn in Aachen startet und ich überpünktlich am Bahnsteig bin, bekomme ich auch ganz entspannt einen Rad-Platz im Fahrradabteil. Merke: am besten immer eine RE früher nehmen, dann klappt´s (wahrscheinlich) auch mit den weiteren Zugverbindungen.

Umstieg in Köln-Hauptbahnhof. Also das ist mein Plan. Aber in Köln-Mühlheim brennt die Böschung, zig Zugausfälle, Hektik am Bahnsteig. Das Bahnpersonal empfiehlt mir einen Zug nach Bonn. Um dort Anschluss an den EC zu bekommen, den ich eigentlich hier in Köln Hbf nehmen wollte. Immerhin sehr nettes Personal am Gleis, gleich zwei Beamte kümmern sich, drucken mir die Verbindung sogar aus – ungefragt. Wer sagt´s denn, ein bisschen Service gibt´s ja doch. Und ein Lächeln hilft auch meistens.

Erwische den Anschlusszug und wieder gibt es einen netten Menschen, dieses Mal ein ebenfalls Rad fahrender Mitreisender: Er hilft mir, mein Fahrrad in die dafür vorgesehene (und vorab gebuchte) Verankerung zu hängen. Freuen uns beide, dass es sich dabei nicht um ein E-Bike handelt …

Draußen ist es MEGA heiß, aber hier ist´s angenehm klimatisiert! Trinke endlich Kaffee, höre Musik (Noise reduction Kopfhörer sind was Feines!), gucke Landschaft …

Nächster Stopp Baden-Baden. Steige aus. Hitze schlägt mir entgegen … wechsle den Bahnsteig, warte. Der Zug nach Donaueschingen kommt pünktlich.
😊

So weit, so gut. Aber wo bitte ist mein Hotel??? Komoot leitet mich in die Irre, gefühlt ständig im Kreis. Stehe ratlos in einem Industriegebiet. Und wieder treffe ich auf einen netten Mitmenschen: Ein Rennradfahrer mittleren Alters hält, bietet an, mich, bis Aasen zu begleiten, er fährt eh in die Richtung. Und dort ist wohl das Hotel, etwa sieben Kilometer von Donaueschingen-Zentrum entfernt. „Ja, gerne, aber ich bin langsam“. Weise auf meinen nicht vorhandenen Akku hin. Kein E-Bike!!! ¾ des Weges schaffe ich dann gemeinsam mit ihm in einem „Tempo“, das schnell genug ist, dass er nicht vom Rad fällt. Er redet vom gerade absolvierten Ausdauertraining in den Alpen – für mich ist es der erste Tag einer gemütlichen Fahrradtour entlang der Donau. Entsprechend redet er mehr als ich – ohne dabei außer Atem zu sein. Dann lasse ich ihn weiterradeln und mache ein paar Fotos. Fotografieren ist für mich immer eine gute Ausrede, mal stehen zu bleiben.

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„Die Burg“, in Donaueschingen-Aasen. Nettes Hotel mitten in einem Wohngebiet. Außerdem ist offensichtlich ein Sterne-Restaurant angegliedert. Mitglied im „JRE“ (jeunes restaurateurs). Der abendliche „Schweizer Wurstsalat“, den ich mir bei einem gepflegten lokalen Bier auf einer netten schattigen Terrasse gönne, wurde dann also von einem Sternekoch zubereitet. Guter Start!

Montag, 23.06.2025, Neuburg a.d. Donau => Kelheim: Gewitter, Bahnfahrt und eine unverhoffte Kaffee-Einladung

07:00 Uhr. Es gewittert …Hab mir eine Zugoption bereitgelegt. Nach Saal an der Donau. Dahin geht eine Umsteigeverbindung, über Ingolstadt.

Kurz vor 11. Saal an der Donau. Die nächsten Gewitter sind für gegen 13 Uhr angesagt. Also weiter!!!! Bis Kelheim sind es jetzt nur noch ein paar Kilometer. Zunächst fährt es sich gut, keine Steigungen. Aber dann: Baustelle. Wo weiter??? Keine Umleitungsschilder, oder habe ich die irgendwo übersehen? Aus der Baustelle heraus kommt ein älterer Typ auf mich zu – und lädt mich auf einen Kaffee ein. Ich hätte nichts von ihm zu befürchten, sagt er. Ich denke zuerst, das ist einer der Bauarbeiter. Aber es stellt sich heraus, dass er Rentner ist und ein kleines Häuschen unten an der Donau hat. Ich bekomme Kaffee und ein Stück Kuchen. Plaudern ein wenig, er ist in Redelaune.

Fahre trotzdem bald weiter, will ja dann doch lieber ohne Gewitter durch den Tag kommen …

Kelheim. Finde das Hotel. Sieht toll aus. Es befindet sich in einem restaurierten Turm. Dem Erasmusturm. Der hat seine Ursprünge im Mittelalter. OK. Aber wie komme ich rein???

Es gibt hier einen dieser (für mein Empfinden) unpersönlichen, aber praktischen „key boys“. Habe gestern per Email einen Zahlencode bekommen. Den gebe ich ein und entnehme eine Karte, mit der man ins Hotel kommen müsste. Aber es funktioniert nicht. Ist ja merkwürdig. Der Himmel verheißt Gewitterregen … Würde gern wenigstens mein Fahrrad und das Gepäck sicher und trocken unterstellen. Tausche Nachrichten mit dem Hotelbesitzer aus. Aha – scheinbar habe ich die Karte ZU FRÜH entnommen. Erst ab 12:30 Uhr ist die tagesaktuelle Karte im entsprechenden Fach. Habe jetzt wohl die Karte für das „Mühlbach-Zimmer“, meins ist aber die „Ludwig-Suite“. Also gleich noch einmal wiederkommen. Am Seiteneingang unter dem Carport ist nicht abgeschlossen. Ich kann das Gepäck schon mal reinstellen. Und das Fahrrad kommt unter den Carport.

Geh ich eben ein Eis essen … 13:00 Uhr. Jetzt klappt es mit der Karte. Und das Fahrrad parke ich im Schuppen. Es ist sehr heiß 🥵 und es geht kein Lufthauch, so als ob besser ein Gewitter runterkommen sollte. Kommt aber keins. Möchte endlich ins Zimmer und mich ausruhen. Das ist aber erst ab 15:00 Uhr bezugsfertig.

Dienstag, 24.06.2025, Ruhetag in Kelheim: radeln ohne Gepäck, Kloster Weltenburg, Zillen und Donaudurchbruch

Ich weiß es noch nicht – aber das wird heute mein absoluter Lieblingstag!!! Ein traumhafter Gute-Laune-Sommertag …

Bin ausgeruht, weil ich gestern nicht so viel gefahren bin, wie ursprünglich geplant. Und es hat abgekühlt, wegen der Gewitter, die ringsum runtergegangen sind. Trinke Kaffee auf meinem Balkon, über den Dächern von Kelheim. Gucke auf die Befreiungshalle.

Es gibt dahin wohl einen Fußweg ab der Altstadt, aber ich habe heute schon ein anderes Ziel. Mache mich auf den Weg zum Kloster Weltenburg. Mit dem Fahrrad – aber ohne Gepäck!

Mache super viele Fotos. Kalksteinfelsen entlang der Donau. Von dem Anblick bin ich völlig geflasht. Erinnert mich an die Kletterfelsen in Tonsai und an die Hanoi Bay in Vietnam. Einfach supergut!!! Gucke und staune …

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Dann mit dem Fahrrad (rauf-runter-rauf-runter) durch den Wald bis zum Kloster. Auch wandern wäre hier eine schöne Option.

Kloster Weltenburg ist imposant. Um 600 gegründet thront es auf einer Insel in der Donau. Erreichbar mit kleinen Zillen oder Fähren. Eine ist auch für Autos. Irgendwie muss das hier gebraute Bier ja hinaus in die restliche Welt gefahren werden … Die Weltenburger Klosterbrauerei soll die älteste der Welt sein. Hätte mir das gern näher angesehen, aber das muss man vorab buchen.

Hier unten im Klosterhof ist es etwas rummelig. Aber wahrscheinlich ist sonst NOCH mehr los: Wegen Niedrigwasser können aktuell die Ausflugsfähren nicht fahren, sie würden in Kelheim starten. Hochwassermarken zeigen an, dass die Lage aber sehr oft ganz anders ausschaut.

Oberhalb vom Kloster ist es ruhiger. Eine kleine Kapelle kann besichtigt werden und ein schattiges Wäldchen lädt zum Spaziergang ein.

Für den Rückweg nach Kelheim begebe ich mich dann auf eine der Zillen. Die sind flach genug, um auch bei Niedrigwasser zu starten. Sie fahren bis etwa drei Kilometer vor Kelheim und nehmen auch Fahrräder mit, Bio- und E-Bikes! Perspektivwechsel sind immer gut. Lasse also mein Fahrrad und mich durch die „Weltenburger Enge“ schaukeln. Ein Traum!!!

Abends im Biergarten des „Weißen Bräuhaus“. Ergattere einen freien Tisch, aber gleich darauf wird noch eine nette Gruppe Freundinnen dazugesetzt. Sie planen den morgigen Tag. Bereitwillig gebe ich Tipps, kenne mich ja inzwischen aus 😉…

So etwas wie mein Fazit:

Ich kann jedem nur empfehlen, nicht zuhause sitzen zu bleiben, sondern loszufahren. Egal in welchem Tempo. Allein, zu zweit, in einer Gruppe. Reisen beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Und schöne Outdoor-Erlebnisse sind nicht nur denen vorbehalten, die „jung, fit und dynamisch“ sind oder glauben, es zu sein.

Bin ich zu Studienzeiten 100 Kilometer am Tag mühelos gefahren, so sind es jetzt eher gemütliche 30 bis 50 Kilometer – und auch das ist völlig in Ordnung. Langsamkeit hat ihren Reiz. Entscheidend ist, dass man sich mit seiner Reise(geschwindigkeit) wohlfühlt und genießt, was der Tag bringt. Gerade wenn ich allein unterwegs und dabei offen für meine Umgebung und die Menschen bin, werde ich oft positiv überrascht und inspiriert. Ich komme mit dem guten Gefühl zurück nach Hause, dass die Welt doch noch in Ordnung ist, Raum für Entdeckungen bietet und ich ein Teil davon bin. Das gibt mir Energie für den Alltag – und für die nächste Reise.

Meine Highlights auf dieser Tour waren die Gegend bei Kelheim wegen der tollen Kalksteinfelsen direkt an der Donau. Und das Hotel „Orphée“ in Regensburg. Weil ich die Philosophie des Hotels mag – französisch, unaufdringlich und ein Hauch Bohème – und es ist für mich ein absoluter Wohlfühlort.

In diesem Sinne: Auf geht´s! Never stop exploring the world … 🌻

Dav Icon Fleisch Green
Bericht und Fotos Alexandra Koch