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Spuren im Staub – Eine Wanderung in die Zeit des Galmeis und rund um Vicht

Der Weg windet sich über den Schlangenberg, das Gras raschelt im Wind, und unter unseren Füßen liegt mehr Geschichte, als man auf den ersten Blick ahnt. Wir wandern rund 170 Jahre zurück in die Vergangenheit. Mitte des 19. Jahrhunderts war dieser Ort alles andere als still. Damals lebten und arbeiteten hier über 500 Bergleuten.

Ihre Tage bestanden aus Hämmern, Suchen und Hoffen, denn der Boden hier war kein gewöhnlicher Boden – er enthielt Galmei, ein unscheinbares Erz, das für die Region wertvoller war als es aussah. Ohne Maschinen gruben sie Schächte und Stollen in den Hang. Die Gruben über Tage nannte man Pingen und die, die bis 100 Meter unter Tage führten, wurden Packen genannt. Zwischen 3000 und 7000 Tonnen Zinkerz wurden jedes Jahr zwischen 1850 und 1870 gefördert.

Wir machen einen kleinen Feldtest und stellen fest, dass es zumindest noch Carbonat gibt, das beim Beträufeln mit Essigsäure leicht schäumt. Das alleine ist allerdings noch kein Anzeichen für Zink-Spat, da müssten wir schon mit Cobalt weitermachen.

1 unterwegs zum schlangenberg
Unterwegs zum Schlangenberg

Dieses tolle Naturschutzgebiet hat aber nicht nur unterirdische Schätze, sondern bietet durch seine an den zinkhaltigen Boden angepasste Flora und Fauna einige Raritäten, wie das gelbe Galmei-Veilchen, die Galmei-Grasnelke, die Gelbbauchunke und Heidelerche.

Wir sind von Vicht am Friedhof vorbei auf den Schlangenberg gestiegen und laufen nun einen kleinen Pfad wieder hinunter. Der Laubwald lässt die herrliche Sonne noch ungehindert durch – ab und zu steckt nur ein mutiger Haselstrauch sein Blättchen schon heraus, sonst sind Buchen und Eichen durch den noch herrschenden Nachtfrost eher verhalten.

Ins Dorf zurück queren wir die Hauptstraße und steigen in den Lehmjöresweg ein. Mit kurzen Abstechern werden wir ihm für die nächsten 11 km folgen. Er führt uns sternförmig immer wieder in die Wiesen und Wälder Richtung Zweifall, Süßendell und Mausbach und kommt dann wieder ins Dorf zurück.

Die Kluckensteine mit dem von den Vichter Pfadfindern aufgestellten Kreuz laden zur Pause ein. Diese geologische Besonderheit entstand vor rund 390 Mio Jahren im Devon und ist als ca. 8 Meter hohe Felsrippe aus Vichter Konglomerat zu bestaunen. Ein idyllischer Blick auf das von der Flut im Sommer 2021 stark beschädigte Dorf bietet sich von hier oben. Die Schäden sind repariert und die Vicht plätschert friedlich im Bachbett. Bleibt zu hoffen, dass die nun geplanten und teilweise schon begonnen Regenrückhaltebecken mögliche Wassermassen auffangen können.

Über Wiesen, Wälder und am Fischbach entlang führt uns der Weg auf die Hochflächen östlich vom Dorf, begleitet von wilden Narzissen und Buschwindröschen. Ein letzter Anstieg führt hinauf zum Sportplatz und dann geht´s auch schon runter an der neuen Brücke am Ortsausgang zur Kirche St. Johann-Baptist, unserem Start- und Zielpunkt.

Das Vichter Landhaus, ein schönes Hotel Richtung Zweifall mit Terrasse und guter Dessertkarte stillt unseren Hunger und Durst und sorgt für einen schönen Ausklang dieser herrlichen Frühlingstour!

Infos zum Lehmjöres-Weg:

Lehmjöres-Weg | Urlaub Eifel

Die Tour auf komoot:

https://www.komoot.de/tour/2685497680?ref=aso&share_token=azGVrG3GTlFl9FFPmfAg8z9oHjWARAHr40Wvs9DBK3RJ1uq4Ok

Dav Icon Fleisch Green

Text: Dirk Emmerich
Bilder: Gruppe