Venntrilogie – eine noch wenig bekannte Streckenwanderung in unserer Region
- Wandern, vor allem das Wandern von Fernwanderwegen, erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Neben den boomenden Klassikern der Alpenüberquerungen, wie z. B. den E 5 von Oberstdorf nach Meran, warten inzwischen auch die meisten Mittelgebirgsregionen mit über mehrere Etappen verlaufenden Fernwanderwegen durch abwechslungsreiche Landschaften auf. Seit Sommer 2023 gibt es neben dem seit über 20 Jahren etablierten und in den Sommermonaten oftmals stark frequentierten Eifelsteig in unserer Region einen weiteren, weniger bekannten, etwas weiter westlich gelegenen Wandersteig, die so genannte „Venntrilogie“. Sie beginnt am Dreiländereck und führt über 109 km in sechs Etappen nach Bütgenbach in der belgischen Eifel südlichen des Hohen Venns.
- Warum „Trilogie“, wenn es doch sechs Etappen sind? Die Schöpfer des Weges, die belgische Tourismusagentur Ostbelgien VoG, haben die durch den Steig erschlossenen Regionen drei verschiedenen Landschaftscharakteristika zugeordnet: 1. Wiesen, Hecken und Wälder, 2. Venn und Moor und 3. Wasser und Seen. Durch jede dieser drei Landschaften verlaufen jeweils zwei aufeinander folgende Etappen.
- Natürlich taugen alle sechs Etappen auch als isolierte Tageswanderungen. Dabei stellt sich jedoch zwangsläufig wie bei allen Streckenwanderungen die Frage, wie man am Ende der Etappe wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt. Für eine Tageswanderung besonders geeignet ist die zweite Etappe von Eynatten nach Eupen, da beide Orte durch den ÖPNV von Aachen aus gut erschlossen sind, und Busse der belgischen TEC werktags im Halbstundentakt und sonntags im Stundentakt fahren.

An einem sonnigen Sonntag im April haben sich 17 Wandernde der Plaisirtourengruppe und ein Hund zusammengefunden, um die gut 19 km in Angriff zu nehmen. Der meist schmale, nur in den Ortslagen asphaltierte Weg beginnt am Parkplatz nahe der Kirche in Eynatten. Zunächst geht es über Anliegersträßchen aus dem Ort hinaus ins Grüne. Dabei windet er sich, wie im belgischen Grenzland üblich, oftmals zwischen zwei Wohnbaugrundstücken hindurch auf Weiden, zwischen Hecken und mitunter entlang historischer Bausubstanz aus dem in Ostbelgien typischen Blaustein, ein in unserer Region häufig verwendeter Baustoff aus heimischen Steinbrüchen.
Ebenso eine lokale Besonderheit sind die so genannten Stiegel an den Grenzen der Weiden. Das sind in den Boden eingelassene, aus Naturstein oder Holzstämmen gefertigte, ca. einen Meter hohe Poller, die versetzt angeordnet sind, so dass wir Wandernden mühelos passieren können, das Vieh auf den Weiden aber nicht ausbüxen kann. Meistens sind die Barrieren aber quietschende, eiserne Drehkreuze oder schwenkbare Metallgatter, durch welche immer nur eine Person hindurch gehen kann.

Nachdem wir den Weiler Berlotte und den Ort Raeren mit weitem Blick über die Wiesen und Felder durchquert haben, gelangten wir in den recht wenig touristisch erschlossenen Hertogenwald, der sich südlich der gedachten Linie zwischen von Raeren und Limbourg ausbreitet und im Süden durch das Hohe Venn begrenzt ist. So begegneten wir außerhalb der Ortschaften auch nur sehr wenigen anderen Wandernden. Erst kurz vor Eupen lichtet sich der Wald, und von da ab schlängelte sich der Weg durch die nur weitläufig bebauten Randbezirke der Stadt bergab bis in die Innenstadt. Nach knapp 4 Stunden 20 Minuten reiner Gehzeit erreichen wir die Stadtmitte der ehemals bedeutenden Stadt der Tuchindustrie Eupen.
Mit dem Bus sind wir nach einer kurzen Stärkung in einem der Cafés in ca. 15 Minuten zurück an unserem Ausgangspunkt angelangt.
Kurz zusammengefasst: eine schöne Tageswanderung durch abwechslungsreiche Landschaften. Lobend hervorgehoben werden muss die lückenlose Beschilderung des belgischen Tourismusverbandes Ostbelgien VoG, die auch das bewährte Knotenpunktsystem verwendet. Die zahlreichen Markierungen an Wegegabelungen mit dem Symbol der Venntrilogie in Gestalt von Schildern und Markierungen auf den Bäumen erleichtern die Orientierung, so dass bei einer spontan geplanten Wanderung der zweiten Etappe grundsätzlich auch auf GPS, Wanderapps und Kartenmaterial verzichtet werden könnte.
Info im web:
https://www.ostbelgien.eu/de/venntrilogie

Text und Fotos Norbert EtheberVenntrilogie – Ostbelgien
