Arbeitseinsatz Anton Renk Hütte 06.09.2025 – 13.09.2025
5 Uhr morgens am Samstag. Norbert L. und ich starteten aus Aachen. Albert und Liane reisten aus Bayern an und Horst war bereits auf der Anton-Renk-Hütte. Er ist im Laufe der vergangenen Woche mit dem Fahrrad von Aachen nach Ried gefahren.
Norbert C. wird am Montag auf vier Rädern nachkommen. Hinter Stuttgart hangelten Norbert und ich uns von Stau zu Stau, standen durch die Blockabfertigung am Grenztunnel und kamen auch noch nach dem Grenztunnel nur Meter für Meter voran. Zwischenzeitlich fürchteten wir, die Bichli-Alm nicht mehr im Hellen zu erreichen. Doch dann war hinter Reutte die Straße frei und die Anfahrt nach 12 Stunden erfolgreich beendet.

Auf der Bichli-Alm kamen uns Horst, Liane und Albert mit leeren Rucksäcken von oben entgegen, durch ihren Einsatz schafften wir es, den gesamten Proviant für die Woche, Farben, Pinsel, Schraubenschlüssel, Zangen und die Ersatzstange für den im Winter umgeknickten Wegweiser zur Hütte hochzutragen. In den letzten orange-goldenen Strahlen der untergehenden Sonne erreichten wir die Renk-Hütte, Horst an diesem Tag zum 3. Mal. Obendrein hatte er auf der Hütte auch schon eine wunderbare Brotzeit für uns alle vorbereitet. Umgezogen und in unsere wärmenden Jacken gepackt genossen wir vor der Hütte mit Getränken die Brotzeit und das Farbenspiel, das die untergegangene Sonne in den Himmel malte. ANGEKOMMEN!
Nach zwei schönen Tourentagen schwindet unser Glück. Der ätherische Wächter unseres Hütten-Gebietes, der „Pfroslputz“, fängt an, seinen Schabernak mit uns zu treiben. Er findet, wir hätten genug Spaß gehabt, jetzt sei er dran. Er verließ die inzwischen vom Eis befreiten, brüchig gewordenen Wände des Pfroslkopfes und machte gemeinsam mit dem Wettergott unsere so gut geplante Strategie für die Wegemarkierungsarbeiten zu Nichte. Die zunächst so hervorragenden Wetteraussichten für unsere Woche verschlechterten sich urplötzlich, und der Arbeitseinsatz musste neu gedacht werden. Wir zerbrachen uns die Köpfe und die beiden kicherten leise über unsere zunächst unausgegorenen Ideen. Doch dann war ein neuer, wetterangepasster Plan gefasst, und ihr Kichern hörte erst einmal auf.
Horst und Norbert L. standen am Dienstag bereits um 5.30 Uhr auf, frühstückten und trugen die Ersatzstange wieder runter zur Bichli-Alm. Mit dem Auto ging es die Forst-Straße runter nach Ried und weiter ins Kaunertal. In 2 Stunden Gehzeit brachten sie die Ersatzstange über den erst sehr steilen und dann ziemlich matschigen Weg das Fissladtal hoch an ihren Bestimmungsort. Die Mautgebühr für die Befahrung der Gletscherstraße wurde ihnen von der freundlichen Dame an der Kasse erlassen. Nach der Fehlbedienung des Kassenautomaten reichte die Wegweiser-Stange im Auto als Eintrittskarte. (Vielleicht hätten wir die krumme, abgebaute Wegweiser-Stange für die nächste Fahrt ins Kaunertal behalten sollen, anstelle sie zum Altmetall zu geben.)

Liane, Norbert C., Albert und ich hatten uns am Dienstagvormittag mit der Markierung der neuen Wegeführung des Aachener Höhenweges in Hütten-Nähe beschäftigt. Kurze Zeit nach getaner Arbeit setzte leichter Regen ein, der gemäß Wetterbericht dann in unterschiedlicher Stärke bis zum späten Mittwochnachmittag anhielt. Das Spiel der Wolken mit den Bergen ließ einen die Struktur der gezackten Grate neu entdecken. Die kurzen regenfreien Intervalle verbrachten wir damit, die Bretter des alten Schuppens auf ofentaugliche Größe zu zerkleinern und im brandneuen Holzschuppen aufzustapeln.

Am frühen Donnerstagmorgen, der Schönwettertag, der uns gelassen wurde, haben wir gemeinsam den Aachener Höhenweg begangen. Sicherlich hat sich der Pfroslputz vor Schadenfreude auf die Schenkel geklopft, als wir mit fassungslosem Gesichtsausdruck feststellen mussten, dass die am Dienstagvormittag neu aufgebrachte Farbe restlos (!) wieder abgewaschen worden ist. Wir wanderten in der Kühle des Morgens über die Riefenkarscharte und dann vorbei am See, über die luftige Querung oberhalb des Fissladtals hin zum neu aufgestellten Wegweiser und weiter Richtung Gepatsch-Haus. Wir haben die bestehenden Markierungen begutachtet und zu überarbeitende Stellen dokumentiert. Es war ein geschenkter, traumhaft schöner Bergtag mit beeindruckenden Tiefblicken und erhebenden Ausblicken auf die vom ersten Neuschnee überzuckerten Dreitausender des hinteren Kaunertals. Jenseits des Kreuzjöchls begeisterten uns die weitläufigen, herbstlich gefärbten Berghänge und der Blick auf das türkise Wasser des Stausees. Hinter der Nassereinalm verläuft der Aachener Höhenweg durch einen herrlichen Bergwald. So schön der Weg ist, er zieht und zieht sich. Die Aussicht, noch bis zur Brücke an der Gepatsch-Alm laufen zu müssen, obwohl das Gepatsch-Haus jenseits des Baches bereits zum Greifen nah ist, erfreute uns wenig. Gäbe es doch eine Brücke direkt über den Bach…. und siehe da, es gibt eine! Sie ist allerdings noch nicht in der Karte verzeichnet. Albert und die beiden Norberts ließen sich von der ziemlich kryptischen Ausschilderung nicht verwirren und fanden den neuen Short-Cut, der uns direkt über den Bach zum ersehnten Ziel führte. Nach 11 Stunden erreichten wir das im letzten Jahr renovierte Gepatsch-Haus und feierten die erfolgreiche Begehung erst einmal mit einem Glas Bier oder Wein.
Für das kommende Jahr ist noch Arbeit übriggeblieben. Wir dürfen also wiederkommen.

Text: Claudia Krusche
Fotos: Claudia Krusche, Norbert Carls
